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Der ganze Elberadweg: Von der Nordsee ins Riesengebirge
Im deutschen Nordseeheilbad Cuxhaven mündet die Elbe in die Nordsee. Dort beginnt der Elberadweg und führt bis ins tschechische Riesengebirge – 1.100 Kilometer lang ist das Elbufer auf dieser Strecke. Der dazugehörige Radweg ist jedoch etwas länger: Etwa 1270 Kilometer bewältigen jene, die den ganzen Elberadweg fahren und noch in Prag vorbeischauen. Empfohlen sind dafür etwa 14 Tage. Sehr beliebt ist die Teil-Distanz Hamburg-Dresden, etwa 600 Kilometer.
Meinen ganz persönlichen Bericht von drei Tagesetappen mit E-Bike am Elberadweg, den gibt´s hier zu lesen.
Meine Etappen am Elberadweg Nord
Wir waren am Elberadweg Nord von Glückstadt über Stade und Blankenese nach Hamburg und weiter nach Lauenburg mit dem Ziel Hitzacker unterwegs: Drei Radl-Tage, 200 Kilometer mit dem E-Bike, viele interessante Zwischenstopps und kulinarische Pausen inklusive. Der Gepäcktransport wurde uns von Taxis abgenommen, übernachtet haben wir in vorreservierten Hotels. Mit verschiedenen Fähren haben wir während der Fahrt mehrmals das Elbeufer gewechselt, gute Planung war hier unabdingbar.
Die Flusslandschaft der Elbe hat viele Gesichter und als Radfahrer bekommt man einige davon zu sehen. Zwischen Glückstadt und Stade ist die Elbe extrem breit und der Nordsee noch stark ausgeliefert – deswegen sind hier die Deiche besonders wuchtig. Dafür finden sich auch immer wieder schöne Badestrände und nette Camping-Stellplätze zwischen Deich, Fluss und Schafmeute. Die vielen Obstplantagen und Pferdehöfe geben ein geruhsames Bild ab.
Ab Blankenese schnuppert man schon die City-Luft von Hamburg, die kleinen Kapitänshäuschen werden zahlreicher – die Villen entlang des Radwegs und die Campingplätze direkt an der Elbe sowie die Badebuchten, Hundestrände, Wanderwege und Laufstrecken am Fluss lassen das begehrte stadtnahe Wohn- und Ausflugsziel vermuten. Hamburg selbst kann man per Rad ganz wunderbar erkunden, fast besser als per pedes.
Auf der niedersächsischen Strecke nach Lauenburg (das wiederum in Schleswig Holstein liegt) sieht man den Fluss nicht allzu oft, man radelt an strohgedeckten Häusern, Bauernhöfen und durchs weitläufige Überschwemmungsgebiet. Bei der Fähre bei Hoopte radelt man hautnah an der Elbe.
Die letzte Etappe über Bleckede nach Hitzacker war wegen des Biosphärenreservats Charakters besonders naturnah: Beim Radeln sieht man Kormarane, Enten und anderes Wassergetier, die Natur ist hier vorherrschend, dazu aber schönes historisches Ambiente in den Fachwerks-Dörfchen.
Highlights am Elberadweg Nord
-Meine liebsten Erinnerungen
Die Deiche und die Fähren. Den Schafen beim Schauen zuschauen. Die Ausblicke immer dann, wenn wir ganz nah an der Elbe dran waren. Die (verregnete, aber schöne) Einfahrt in der Villengegend von Blankenese kurz vor Hamburg, die rettenden Fähren für verregnete Teilstücke und die Hamburger Hafen-City. Die Pferdekoppeln und rot leuchtenden Apfelplantagen entlang der Strecke, die Rhabarber-Schorle als Erfrischung zwischendurch, das Bier nach der letzten Etappe. Glücks-Matjes mit Aquavit verkosten und Fliederbeersüppchen kennenlernen. Exotisch klingende Worte erfragen wie Logger, Fleth und Marsch. Und – von wegen Glück – von der Mole in Glückstadt in die Elbe spucken
Die mir ungewohnten norddeutschen Ausdrücke und kulinarischen Köstlichkeiten: Etwa „Nicht lang schnacken, Kopf in Nacken!“ – statt „Prost“ zu sagen, „Moin“ zu jeder Tageszeit anstatt „Griaß Di“ . „Moin Moin“ sagen hier nämlich nur ausgesprochene Schwätzer, habe ich dabei unterwegs gelernt…. Ein Franzbrötchen als Stärkung, ein Fischbrötchen zwischendurch oder eine Fischsuppe des Abends. Schöne Stellplätze für Camper an der Elbe finden und ein paar Minuten im Strandkorb verschnaufen. Eine Fähre grad noch erwischen, überraschend an der Airbus Produktion vorbeischippern und am Thaliatheater vorbeiradeln… Und last but not least: Drei müden Bibern in ihrem Bau beim Tiefschlaf zusehen und zur Erinnerung ein Coburger Fuchsschaf-Stofftier aufs Rad packen.
Soviele Glücksmomente :-)
-Glückstadt: Glücksrouten für Radler
Der Elberadweg ist einer von vier Fernradwegen durch Glückstadt, dem Startpunkt unserer Radltour am Elberadweg. Dazu kommen eigene Glücks-Routen für Erlebnisradler. Hier radelt man aber nicht nur, man delektiert sich auch am bekannten Original Glückstädter Matjes, den wir natürlich auch verkostet haben – noch vor dem ersten Radl-Kilometer übrigens…
Beim Spaziergang durch Glückstadt, beim Spaziergang über „Flehte“ (kleine Kanäle) hören wir von „Loggern“ (historisches Schiff – oft „Heringslogger“), vom Federball Spielen als verbindliche Verlobungszusage und dass Glückstadt einst vom dänischen König Christian IV. gegründet wurde, um schöner als Hamburg zu werden.
-Stade: Altes Land an der Elbe
„Was für eine Kulisse!“, denke ich mir beim Reinradeln nach Stade, einer Hansestadt fast wie in einer Filmkulisse. Der Fischmarkt um den alten Hafen war früher ein geschäftiger Handelsplatz, die Stadt besteht seit immerhin über 1000 Jahren. Wir wappnen uns für die erste Regenetappe unserer Elberadweg Tour im Café im Goebenhaus mit Fischsuppe und verboten hohen, verlockenden Topfentorten…
Stade und Buxtehude sind die Hauptorte in dieser Ferienregion Altes Land, die im Frühling mit mehr als 20 Millionen (!) blühenden Obstbäumen und riesigen Apfelplantagen besonders einladend ist. Hier entfernt sich der Radlweg und damit auch unsere Etappe deutlich von der Elbe, dafür geht´s durch Wälder, vorbei an Pferdehöfen und immer wieder: Rot leuchtende Apfelbaumplantagen, darunter auch der Obsthof von Schassen: Ein Familienbetrieb seit 1752 mit 45 ha Anbaufläche für Äpfel, Kirschen, Birnen und Beeren, den wir für eine Verkostung besuchen. Heißer Apfelmost wärmt uns verfrorene und nasse Radler, wir kosten uns durch die Apfelsorten und werfen einen Blick in den Hofladen.
Schon einmal an einem Lost Place das WOMO geparkt? Wenn nicht, dann bietet sich die Festung Grauerort bei Stade vielleicht hiezu an. WOMO-Stellplätze im Innenhof oder auch außerhalb einer 1869 erbauten Festung, die allerdings nie als solche genutzt wurde: Strom und Sanitäranlage vorhanden. Das kleine Café ist manchmal geöffnet, wer nett fragt – kriegt eine Spezialführung durch die Gemäuer. Hunde erlaubt.
-Hamburg: Ahoi in der Hafen City
Hamburg ist eine eigene Geschichte wert. Demnächst hier.
-Lauenburg: Bildschöne Schifferstadt
Sehr fotogen sind sie, die kleinen aneinander geschmiegten Häuschen in Lauenburg, die zu einem großen Teil auch schon im 17. Jahrhundert alle genau so hier standen – die Bewohnerhistorie reicht in Lauenburg akribisch hunderte Jahre zurück, ob Schuster, Lehrer oder Apotheker. Am hohen Elbufer liegt der 115 Jahre alte Raddampfer Kaiser Wilhelm und heizt schon mal ordentlich ein – anderntags um 9 Uhr wird er Richtung Hamburg ablegen. Die südlichste Stadt Schleswig-Holsteins, die historische Schifferstadt Lauenburg ist so pittoresk, dass man die Kamera nicht weglegen kann.
Die bunten Fachwerkshäuschen, der Ausblick von der Hundeburg auf die Elbe, die steilen Stufen hinauf in unser charmantes Retro Hotel mit dem großen Gastgarten in der Oberstadt – da sieht man als Radlerin schon mal großzügig über holprige – aber eben auch historische – Kopfsteinpflaster hinweg.
Am Elbeufer staunen wir angesichts des kunstvoll gestalteten Hochwasserpegels (10 Meter ist der Deich hier hoch, das Hochwasser 2013 war bei 9.5 Metern), in der Elbstraße bewundern wir das alte Kaufmannshaus, die Raths-Apotheke oder das schmale Haus mit knapp 3 Metern Breite.
Beim „Rufer“ befindet sich der Foto-Hotspot Lauenburgs: „Ahoi“ ruft er den Radlern zu, aber auch den vorbeiziehenden Schiffen.
-Konau: Ehemaliges DDR Grenzgebiet
Einen kleinen Teil radeln wir durch ehemaliges Sperrgebiet: Bei Konau erfahren wir, wie die Hiesigen von Grenzschließung bis 1990 hier zwischen Zäunen und Grenztürmen leben mussten, hören vom Ausgangsverbot und von Zwangsaussiedlungen, von Passierscheinen und Todeszone. Bis 1990 war die Elbe hier Grenzfluss. Manche Bewohner hatten bis zur Grenzöffnung die fast hautnah neben ihren Häusern verlaufende Elbe niemals in ihrem Leben gesehen: Der Deich, die Grenztürme und ein ganzes Regime lagen dazwischen. Heute ist man in allerdings in der glücklichen Lage, dass Fauna und Flora hier im ehemaligen Grenzstreifen wegen des einstige Betretungsverbots vor sich hin gedeihen konnten und uns eine sehr abwechslungsreiche Pflanzenwelt („Grünes Band“) beschert. An manchen Stellen erkennt man auch noch gut, dass rechts der Elbe die Felder und Höfe zu DDR Zeiten natürlich deutlich größer waren als „linkselbisch“. Hier lerne ich wieder ein neues, exotisches Wort: Konau ist das letzte erhaltene „Marschhufendorf“ an der Elbe: „Marsch“ bedeutet Schwemmland, eine Hufe ist eine gewisse Menge Land, ein Feldmaß.
Die dortige ARCHE-Region Flusslandschaft Elbe kümmert sich auch um fast ausgestorbene Nutztierrassen, wie etwa das entzückende Coburger Fuchsschaf, das mit roter Wolle auf die Welt kommt und erst später weiß wird. Übrigens: Auch manche deutsche Hunderassen sind vom Aussterben bedroht wie etwa der Schafpudel, der Großspitz und die ostdeutsche Gelbbacke :-)) Wer Glück hat, sieht Störche, Seeadler, Konikpferde, Gänse und Kormorane.
-Biosphärenreservat Elbtalaue: UNESCO Gebiet
Bei unserer Zwischenstation im Schloss Bleckede bekamen wir einen kleinen Einblick in die Tierwelt des Biosphärenreservats Elbtalaue: Neben dem Aquarium (es schwimmen meterlange Fische in der Elbe – allerdings eh nur „in der Mitte“ wurde uns versichert!) besonders war der ungewohnt intime Einblick in einen bewohnten Biberbau.
Dort herrschte untertags natürlich Chiling-Time. Die Biber lagen eng aneinander gekuschelt, ihr platter Schwanz (die „Kelle“) und die kleinen Krallen bekommt man sonst nie zu Gesicht, denn meist sieht man beim Pritscheln im Fluss ja nur den Kopfteil.
Die Tiere im Elbauenreservat sind übrigens vom Hochwasser abhängig, sie brauchen es richtiggehend: Wenn das Wasser nämlich zwischen den Deichen um bis zu 7 Meter steigt, dann entstehen die so wichtigen Feuchträume für sie. Das war allerdings seit 7 Jahren leider nicht mehr der Fall, erklärt man uns im Biosphärenreservat.
-Hitzacker: Ankommen im Wendland
Noch eine letzte Fährfahrt trennt uns von unserem Ziel am Elberadweg: Im Kneipp-Kurort Hitzacker überqueren wir in der Abendsonne noch einmal die Elbe und stehen mitten in der denkmalgeschützten Stadtinsel hinter dem meterhohen und fast ein Kilometer langen Hochwasserschutz an der Mündung der Jeetzel in die Elbe. 200 Kilometer Elberadweg, 3 Etappen, ein halber Regen-Radltag und viel mehr trockene Radl-Kilometer, Hamburg und Blankenes, ehemalige Grenzen, unzählige Schafe, Apfelplantagen, Deiche, Containerschiffe und Heringslogger liegen hinter uns: Zeit für ein Bierchen, um auf all diese Eindrücke anzustoßen!
In Hitzacker steht das Destinature-Resort, eine naturnahe Oase für Camper ohne eigenes Zelt oder Gefährt, denn: Hier nächtigt man in nachhaltigen Tiny Houses oder noch naturnaher: Als Radler oder Wanderer im mobilen „Bett To Go“. Gegessen wird nur bio, das komplette Dorf ist aus nachhaltigen Materialien gebaut und selbst eine eigene Trockentrenntoilette hat der Gründer und Erfinder Holger Danneberg hier eingebracht. 1992 hat er schon die Marke WERKHAUS auf den Markt gebracht: Nachhaltige Wohn- und Büroaccessoires mit einem patentierten Stecksystem ohne Schrauben oder Klebstoff. Ein zweites Feriendorf wie dieses (mit Hot-Tub und Sauna) entsteht in der Südeifel an der luxemburgischen Grenze.
Den Elberadweg planen und erleben
Eine Tour am Elberadweg sollte gut vorab geplant sein, ohne die entsprechenden GPS Daten würde ich mich nicht auf den Weg machen. An manchen Stellen könnte die Beschilderung nämlich besser sein, mancherorts hindern auch Baustellen oder großzügige Umleitungen am flotten Weiterkommen – dann ist man noch dankbarer für´s E-Bike.
Die Etappe durchs Alte Land lässt den Fluss nur vermuten, die Strecke über Blankenese wiederum führt fast direkt an der Elbe entlang. Durch Hamburg selbst ist das Wasser, ob Elbe oder Alster, nie weit entfernt. Weite Abschnitte des Elberadwegs auf unseren Etappen führten durch Auen, Wälder, am Deich entlang oder durch Obstplantagen – auch dann sieht man den Strom über viele Kilometer gar nicht. Schöne Ausblicke eröffnen sich aber dennoch oft über das Schwemmgebiet. Die Fähr-Fahrten sind kleine Abenteuer (für Menschen aus Trockengebieten wie ich zumindest), auch hier sollte man immer online oder telefonisch abklären, ob die Fähre tatsächlich zur gewünschten Zeit ablegt („Fährmann, hol über!“).
Welche Seite der Elbe soll man denn nun fahren, rechtselbisch oder linkselbisch – flussauf- oder abwärts? Ganz klar: Kommt drauf an. Gute Hinweise dazu gibt diese Info-Seite.
- Der Elberadweg
- Erlebnis-Elbe.de: Wasser und Land genießen
- Unsere E-Bikes von NordVelo – unsere „Deichflitzer“
- Tipps für die Planung
- Interaktive Karte mit GPS Daten
- Mit den Fähren auf der Elbe unterwegs
Eckdaten zu unserer Radtour
Wir waren an drei Tagen in Summe knapp 200 Kilometer mit dem E-Bike unterwegs, mit zahlreichen Stops, Besichtigungen und Pausen – in Schleswig Holstein, Niedersachsen und Hamburg. Mindestens fünf Mal stand geplanter Weise eine Fährfahrt auf dem Programm, ab Blankenese bis Hamburg bin ich wegen des starken Regens ganz auf die Fähren gen City umgestiegen. Die Akkus der E-Bikes von Nordvelo wurden über Nacht im Hotel aufgeladen.
In folgenden Hotels haben wir genächtigt:
- Hotel Anno 1617 in Glückstadt
- Pier Drei Hotel in Hamburg
- Hotel Bellevue in Lauenburg
- Hotel Hafen Hitzacker
- Glückstadt Tourismus und Glücksrouten in der Radreisestadt
- Stade: Altes Land am Elbstrom
- Hamburg Tourismus
- Schifferstadt Lauenburg
- Konau, ehemaliges DDR Grenzgebiet
- Grenzgeschichten aus einem geteilten Deutschland
- Biosphärenreservat Elbtalaue: Schloss Bleckede
- Hitzacker im Wendland Elbe
- Metropolregion Hamburg
HINWEIS:
Der Bericht entstand im Rahmen einer Presseeinladung von Metropolregion Hamburg in Zusammenarbeit mit FEUER & FLAMME – Die Agentur.
1 comment
Tips! Tips! Tips! Da bekommt man echt Lust das auch auszuprobieren. Super beschrieben. Kurzweilig und humorvoll.