Auf Stippvisite in Tschechien im Kurbad Luhačovice – um die Ecke vom Weinviertel an der Grenze zur Slowakei. Nirgends trinkt man das Heilwasser aus schöneren Gebinden als hier und nirgends schmecken die frischen Oblaten besser.
Inhaltsverzeichnis
Auf Kur in Tschechien? Wo liegt dieses Luhačovice?
Bis vor einigen Wochen dachte ich bei dem Stichwort „Auf Kur in Tschechien“ zunächst immer erst an Stefan Zweig in Karlsbad sowie Goethe in Marienbad. Und Franzensbad – alles bekannte Städtchen in Westböhmen. Das ist jetzt anders. Jetzt weiß ich, dass um die Ecke von mir im Weinviertel das viertgrößte Heilbad Tschechiens liegt und zwar nur gute zwei Stunden Fahrzeit entfernt, in den Weißen Karpaten. Ich bin also quasi genau so schnell in diesem ostmährischen Luhačovice wie in Bad Tatzmannsdorf im Burgenland oder wie jüngst in meiner Eigenschaft als Kurschatten in Bad Großpertholz im Waldviertel.
- Bad Luhačovice ist mit seinem Projekt „Well, well … Kurbad Bad Luhačovice“ als beste tschechische EDEN Destination 2019 ausgezeichnet worden.
- Der EDEN (European Destination of Excellence) Wettbewerb, der auf nachhaltigen Tourismus setzt und weniger bekannte europäische Regionen in den Fokus rücken soll, stand 2019 unter dem Motto „Kur und Wellbeing“.
- Bad Luhačovice setzte sich gegen 11 Mitbewerber, darunter Franzensbad, Teplitz und die Pilsener Region 2019 als SIEGER durch.
- WIKI LINK zum Award
- Link der EU zum EDEN Award
Fact Box Kurbad Luhačovice – Tschechien
- Lage: Ostmähren nahe der Grenze zur Slowakei in den Weißen Karpaten
- Anfahrt aus Wien/Weinviertel etwa 2 – 2,5 Stunden
- Viergrößtes Heilbad Tschechiens
- Anreise mit dem Auto oder täglich sonntags um 14 Uhr ab Wien mit einem Direkt Shuttle
- Das Heilbad Luhačovice und das Radonbad Jáchymov bilden gemeinsam die „Spa & Wellness Nature Resorts“
- Die Quellen gehören seit der Privatisierung der „Luhačovice AG“, drei davon sind quasi verpachtet an den Mitbewerber „Royal Spa Kurhotels und Resorts“. Diese beiden Gesundheitseinrichtungen bieten mit ihren Unterkünften private und Krankenkassen-Kuren, als auch Wellness Trips mit Spezial Treatments an.
- In der Hochsaison ab Mai gibt es zahlreiche Kultur-Events, dazu ein Kurtheater und Open Air Veranstaltungen wie Kurkonzerte.
- Die Behandlungen werden entweder in den Hotels selbst oder in entsprechenden Einrichtungen wie etwa dem „Inhalatorium“ genossen.
Der ostmährische Kurort ist bei uns Österreichern nicht so bekannt wie seine großen Brüder aus der k.u.k. Zeit wie Karlsbad, Teplitz oder Marienbad. Für die mährische Bevölkerung war das „Salzbad“ aber wie es auch damals aufgrund des Heilwassers hieß, durchaus lange Jahre ein sehr bekannter Kurort, in dem früher noch viel mehr „Leiden“ behandelt wurden als heute.
Heute kommen gut 90% der Kur- und Wellnessgäste in Luhačovice aus Tschechien oder der Slowakei – aber als Geheimtipp unter uns Österreichern ist das dortige Heilwasser für Bäder und Trinkkuren durchaus schon länger bekannt. Ob für einen Wellness Kurztrip zwischendurch mit Yoga und Kulinarik wie im Vier Stern Supérieur Hotel Augustian, eine echte Wochen-Kur mit sämtlichen Behandlungen und Anwendungen in der geschichtsträchtigen Vila Valaska oder romantisches Retro Feeling direkt im Kurpark am Fluss im volkstümlich tschechischen Jugendstil Hotel Jurkovičův dům – für alle Geschmäcker ist was dabei.
Luhačovice Hotel Tipps – Hotels für eine Kur in Tschechien
Welche Hotels, Villen und Häuser ich während meines Aufenthalts kennen gelernt habe, könnt Ihr hier lesen: Hotel Tipps in Luhacovice: Kur, Wellness und Luxus
- Kurhotel Jurkovičův dům: Bunter Volks-Jugendstil und schönstes Gebäude im Kurpark
- Hotel Augustiniánský dům: Luxus Wellness im ehemaligen Augustinerkloster-Gästehaus, Meditations- und Yoga-Jurte, Kulinarik Top, genialer Spa
- Luxury Spa & Wellness Villa Valaska: Kur, wie sie sich gehört in authentem Ambiente mit einer Sonnenterrasse with a view wie am Semmering in den Wiener Alpen
- Boutique Hotel Radun: Ein Hotel wie im Bauhausstil, Pure, clean, chillig, Gastfreundschaft par excellence und exquisite Küche
- Spa und Wellness Hotel Alexandria: Im Neubau ein exquisiter Spa Bereich mit Traum-Pool
- Kurhotel Dom Bedřicha Smetany: Innen wie ein Otto Wagner Bau, als wenn Klimt gleich um die Ecke gepoltert käme. Vom Balkon aus haben schon Václav Klaus, Karel Gott und ich hinunter auf die Vicentka Quelle geschaut. Café im Souterrain.
- Palace Hotel mitten am Kreisverkehr am Waldesrand: Hier steigen hauptsächlich Tschechen ab, alle Behandlungen im Haus – das ist hier das Atout.
Warum fährt man auf Kur nach Luhačovice?
Kurz: Es ist das Heilwasser. Es soll Untersuchungen zufolge eines der heilsamsten in ganz Europa sein – die wichtigste Anwendung hier ist die Inhalation – deswegen prangt auch das Gebäude des „Inhalatoriums“ beeindruckend mitten im Kurpark. Dort, im Kurmittelhaus oder in den Hotels selbst kann man seine Treatments buchen oder eine ganze Kur antreten. Die Heilbehandlung von Atemwegserkrankungen steht also hier in an erster Stelle – immer schon. Daneben werden auch der Therapien für den Bewegungsapparat, bei Verdauungsproblemen und Diabetes und onkologische Nachbehandlungen angeboten.
13 natürliche Mineralquellen entspringen hier in der unmittelbaren Gegend, man nutzt sie für Mineralwasserbäder, die besagten Inhalationen und als Trinkkur. Denn sieben der 13 Quellen kann man nämlich direkt schlürfen, abfüllen oder verkosten. Beim Spaziergang durch den Ort zwischen Hotel Palace, Fußgängerzone, Kurpark oder dem „Prager Viertel“ stößt man unweigerlich auf diese Trinkquellen – alle Welt scheint sich dort zu treffen.
Und jede sieht anders aus. Und jede hat eine andere Zusammensetzung. Einheimische schwören auf „ihre“ Quelle, die am besten schmeckt oder wohltut – das Heilwasser kann in Trinkbecher, Flaschen und eigene Porzellanbehälter abgefüllt und mitgenommen werden. Gratis.
Als ich am tschechischen Feiertag durch den Kurpark schlendere, bekomme ich gleich einen ersten Einblick: Der freie Tag scheint dominiert zu sein vom Heilwassertrinken, Anstellen um frisch gebackene Oblaten und Kaffee Trinken. Ich muss ehrlich sagen, diese Feiertagsmischung gefällt mir gar nicht übel.
Eine frische Oblate um wohlfeile 8 Kronen hole ich mir auch gleich – warm sind sie am besten – aber man kann die bunten Pakete mit verschiedensten Geschmackrichtungen an jeder Ecke erstehen. Wie es einem Kurort wohlansteht, kann man unter zahlreichen Kaffeehäusern mit Torten, Kuchen, Konfekt, Palacinky und Golatschen wählen – so gefällt uns das Österreichern. Dazu ein ausladender und gepflegter Kurpark zum Promenieren und viele Kaffeehäuser – weiters die besagten Trinkquellen – der tschechische Nationalfeiertag ist ein guter Tag für meine Anreise.
- Cafe in Myslivně
- Lázeňská káva – Pražírna kávy
- Jizba Luhačovice
- Chocolaterie: Čokoládové království
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Cafe Slavia
Das Heilwasser
Das Heilwasser verkoste ich gleich mal an der berühmtesten Quelle, der Dr. Stastny Quelle gleich neben der Chocolaterie in der wunderschönen, ehemaligen Apotheke am Beginn des Kurparks. Versäumen will ich ja schließlich nichts. Was soll ich sagen: Wenn´s gesund ist, dann wird es schon irgendwann schmecken auch. Im Ernst: Es schmeckt salzig und wie echtes Heilwasser eben. Gegen den Durst trinkt man es nicht – soviel kann ich ja sagen.
Wie gesagt, es ist Feiertag und die einheimischen Familien haben allesamt ihre eigenen Gebinde mit: Ob ältere Herrschaften, die mit mehreren leeren Flaschen anrücken, junge Frauen, die das Wasser in ihre Lifestyle Plastiktrinkflaschen abfüllen oder 10 jährige Burschen, die ihren eigenen Porzellanbecher aus Luhačovice mit dabei haben und bedächtig in kleinen Schlückchen daraus schlürfen. Ich staune nicht schlecht. Alle Burschen dieses Alters, die ich kenne, würden schreiend davon laufen, wenn sie Heilwasser dieser Art trinken müssten. Nicht so hier. Die Mountainbikes und Skates liegen irgendwo daneben im Schotter und die Burschen schlürfen achtsam ihr Heilwasser aus Schnabeltassen.
Denn das ist hier das ganz Besondere: Für Luhačovice wurden immer schon eigenen Trinkporzellanbecher entworfen. Und die aktuellen sind ganz besonders schön. Wenn man es ganz richtig machen will und den maximalen Heilerfolg erzielen will, dann füllt man sich sein „Schnabeltässchen“ bei der Quelle seiner Wahl (ich persönlich habe 6 von 7 degustiert) und geht dabei im Kurpark promenierend und kleine Schlückchen nehmend, möglichst entspannt im Grünen am Fluss auf und ab. So sei es.
Wie die Tässchen für die Trinkkur früher ausgesehen haben, kann man vorzüglich bei der Vincentka Quelle besehen: Die Trinkhalle rund um die extrem auffälllig und schön gestaltete Quelle hat eine Ausschank, wie das Bräustübl in Salzburg (sorry für den pragmatischen Vergleich). An einer Theke kann man sich an verschiedenen Hähnen kaltes oder warm temperiertes Vincentka Heilwasser abfüllen und die Gefäße auch gleich mit normalem Wasser ausspülen:
Deswegen auch der Vergleich mit dem Augustiner Bräustübl – dort werden die Maßkrüge ja auch zuerst ausgespült. Nein, der Vergleich hinkt nicht, denn das Heilwasser ist hier wirklich so beliebt. Fast wie Bier. Fast.
In unserer Habsburger Monarchie wurde übrigens die Vincenz-Quelle als „der kräftigste, gesündeste Sauerbrunn“ beworben. Zuvor waren die Einheimischen von der Heilwirkung des Wassers nicht so unbedingt überzeugt: Man nutzte es gerne für den Knödelteig oder gemischt mit Milch bei Verdauungsbeschwerden.
Und ganz früher, im 17. Jahrhundert galt das Wasser als „mährische Peitsche gegen Ablagerungen im Körper“ (welche auch immer) und wurde für irgendwie alle Beschwerden verwendet: u.a. Hysterie, Unfruchtbarkeit, verdorbenen Magen, Kopfschmerzen und Milzbeschwerden.
Sehenswürdigkeiten: Der hiesige Jugendstil, Jurkovič und Janáček
Auch wenn man nur 30 Stunden hier verbringt, kommt man um einige Namen hier keinesfalls drumrum: Den Architekten Dušan Jurkovič (geboren in Österreich-Ungarn, heute Slowakei), der für zahllose Bauten und Hotels hier verantwortlich zeichnete und den Komponisten Leoš Janáček aus Mähren, der hier zahllose Male kurte.
Salopp ausgedrückt, fast das ganze Ensemble an Hotels und Kurgebäuden trägt Jurkovičens Handschrift. Sein Stil ist der Jugendstil, aufgepeppt mit slowakischen bunten Elementen, viel Holz und damit einem Hauch von Volkstümlichkeit. Besonders eindrücklich sieht man diesen Stil der „Volks-Sezession“ oder des „volkstümlichen Jugendstils“ an jenem Kurhotel, in dem ich weilen durfte. Eine Mischung aus bunten Ornamenten, verschiedenen Holzbalken, Mustern und ein wenig Fachwerk-Charakter wie bei meiner unmittelbar vorhergegangenen Reise in den Hunsrück nach Rheinland Pfalz.
Der Holzboden kracht, wenn man drübermarschiert, die Gänge zu den Hotelzimmern wirken wie Pawlatschen in Wien und dazu der ganz heimelig bunte Stil des holzlastigen Intérieurs – ganz ein besonderes Ambiente. Und das erste, was ich höre, als ich in den Speisesaal trete – ist Wienerisch.
Fun Facts von anno dazumals: Lazne Luhačovice
Ja, wer kann solch blumigen Ausführungen noch etwas entgegensetzen? Höchstens noch die Zeitschrift „Fremdenverkehr“ im Jahre 1914 – vor Kriegsausbruch:
Obwohl das so interessante Gebiet der mährischen Slowaken von Wien, Brünn oder Prag bequem und in kurzer Zeit zu erreichen ist, obwohl Luhatschowitz alljährlich von mehr als 6000 Gästen besucht wird, und die slowakischen Stickereien, jetzt die Roben eleganter Frauen in Berlin, Paris, London, ja selbst in Amerika zieren, weiß man doch in der ganzen Welt nur verhältnismäßig wenig davon. Wer aber hier geweilt hat, dem wird sein Besuch unvergeßlich bleiben, noch in fernen Tagen wird er des gutmütigen Volkes der Slowaken, ihrer kunstreichen, malerischen Trachten und ihres schönen Landes gedenken.
Dem kann ich jetzt gar wirklich nichts mehr hinzufügen. Hinfahren und mal ausprobieren! Ist ja quasi um die Ecke von Wien. Prost.
Recherche:
- Online in der ANNO Datenbank der Österreichischen Nationalbibliothek
- Radio.cz
- Online Kurier
Hinweis:
Dieser Artikel entstand in entgeltlicher Kooperation mit der Tschechischen Zentrale für Tourismus im Rahmen eines EDEN Projekts. Die obgenannten Ansichten, Erfahrungen und Schlüsse sind jedoch meine eigenen und sind Momentaufnahmen meines Kurztrips nach Ostmähren im Herbst 2019. Weiters dazu erschienen: Hotel-Tipps.
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1 comment
Den Porzellantrinkbecher finde ich sehr stylisch. Macht sich auch als Deko.